Arbeit mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen im westlichen Ringgebiet im Jahr 2018
 


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde, hier unser Bericht 2018. Sie haben sich/ Ihr habt Euch für unsere Arbeit im westlichen Ringgebiet interessiert, haben uns finanziell unterstützt oder fördern uns regelmäßig. Sie setzen sich für die Belange von benachteiligten Kindern und Jugendlichen in dieser Stadt und besonders im westlichen Ringgebiet ein. Sie stehen und standen uns beratend und ermutigend zur Seite. Für diese Unterstützung danken wir ganz herzlich und wollen Sie über die Arbeit des vergangenen Jahres und natürlich auch darüber, wie und wo finanzielle Förderung eingesetzt worden ist, informieren. Und natürlich möchten wir Ihnen allen danken, denn ohne Sie wäre unsere Arbeit so nicht möglich gewesen.
 
Mittagstisch, Hausaufgabenhilfen und Förderangebote in der Realschule Sidonienstraße an 3 Tagen in der Woche – montags bis mittwochs Das Mittagstischangebot für Kinder und Jugendliche im westlichen Ringgebiet findet weiterhin in den Räumen der Realschule Sidonienstraße statt. Für Hausaufgaben- und Förderangebote können Unterrichts- und Funktionsräume im benötigten Umfang problemlos genutzt werden.  Die Zusammenarbeit mit dem Kollegium und der Schulleitung ist sehr gut – es ist ein vertrauensvolles Miteinander. Es gibt regelmäßige Kontakte, Austausch über die Lern- und Fördersituation bei einzelnen Kindern und bei Bedarf die Möglichkeit, an Konferenzen und Besprechungen teilzunehmen.  Die Arbeit wird als gemeinsames Anliegen von Ev. Kirche im westlichen Ringgebiet und Realschule Sidonienstraße gesehen. Unser Mittagstisch- und Förderangebot richtet sich weiterhin an Schülerinnen und Schüler des 5. und 6. Schuljahrgangs aus benachteiligten Familien. Die Schulleitung informiert schon bei der Schulanmeldung betroffene Eltern. Zu Beginn eines jeden Schuljahres gibt es eine Anmeldung mit Anschreiben für die jeweiligen Jahrgänge. In besonderen Fällen können auch ältere Schülerinnen und Schüler am Mittagessen teilnehmen. Die soziale Struktur des Stadtteils bildet sich auch bei den Schülerinnen und Schülern ab und hat sich trotz positiver Entwicklungen in den vergangenen Jahren nur wenig verändert. Ich glaube, die Realschule ist ein guter Ort für unser Engagement, da wir hier mit einer Schulform zusammenarbeiten, die wenig im Focus öffentlicher Wahrnehmung steht und an der es ohne besondere Bemühungen von Schulleitung und Kooperationspartnern kaum zusätzliche sozialpädagogische und fördernde Angebote gäbe. Andere Schulformen sind deutlich besser ausgestattet.
 
 
Ev. Kirchengemeinden, Hugo-Luther-Str. 60 A, 38118 Braunschweig
 


 2


 Außerdem gehen wir davon aus, hier auf Kinder und Familien zu treffen, die durch den Besuch der Realschule aus eigener Initiative versuchen wollen, Zukunftsperspektiven zu verbessern. So ein Ansinnen möchten wir mit unserer Arbeit gerne unterstützen. Seit fast 2 Jahren kooperieren wir beim Mittagessen mit der Oswald-Berkhan-Schule, einer Schule für geistige Entwicklung. Schülerinnen und Schüler von zwei Klassen dieser Schule, die auch in ähnlichem Alter der übrigen „Mittagstischkinder“ sind, nehmen am Mittagessen teil. Diese Begegnung und dieses Miteinander haben sich sehr bewährt – es stellt aus unserer Sicht ein Stück „praktizierter Inklusion“ dar. Leider wird diese Zusammenarbeit enden, das bedauern wir. So versorgten wir im Jahr 2018 an den 3 Tagen ca. 50 Kinder mit Mittagessen, Hausaufgaben- und Förderangeboten sowie kleinen begleitenden Aktivitäten. Dieses Angebot so an 3 aufeinander folgenden Wochentagen durchzuführen, hat sich bewährt. Ebenso die Kooperation mit der „Buddy-AG“. Anliegen dieser AG ist, dass sich ältere Schüler für die Belange von jüngeren engagieren. Diese AG organisiert an den Dienstagen das Hausaufgaben- und Förderangebot. Das ist nicht nur für beide Seiten pädagogisch sinnvoll, sondern kommt auch uns als Träger des Angebotes sehr entgegen, denn unsere Mitarbeitenden wären nicht in der Lage, drei Tage Begleitung zu gewährleisten. Wir halten weiterhin unser Hausaufgabenhilfe- und Förderangebot für Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen aufrecht. Montags und mittwochs stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für individuelle- oder Kleingruppenförderung zur Verfügung. Durch unseren engen Kontakt zum Kollegium ist es möglich, gezielte Unterstützungen anzubieten. Weiterhin ist uns aber wichtig, kein Bestandteil von Schule zu sein. Alle Angebote sind (zwar nach Anmeldung, um Essen kalkulieren und Mitarbeiterzahl festlegen zu können) freiwillig und stellen keine Erweiterung des originär schulischen Angebotes dar. Mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ein pensionierter Gymnasiallehrer – Mathematik/ Physik – arbeiten regelmäßig ehrenamtlich mit.  Sie erhalten einen Aufwandsersatz in Höhe von € 9,00/ Stunde. Außerdem ist eine junge Frau als Freiwillige im Sozialen Jahr im Einsatz.  
 
Der Gesamtaufwand für das Projekt betrug im Jahr 2018 ca. € 18.000,00.
 
Allgemein ist zu diesem Angebot noch zu sagen, dass sich die Situation von Kindern aus schwierigen sozialen Bezügen in den letzten Jahren wenig verändert hat.  Auch wenn die Sozialdaten in Deutschland und in der Stadt Braunschweig im letzten Jahr eine positive Entwicklung aufweisen, profitieren gerade diejenigen, die schon lange in prekären Lebensverhältnissen stecken, deutlich seltener, als allgemein erhofft. Vielmehr erfahren sie – und auch wir als Akteure im Stadtteil – dass sich die Schere zwischen denen, die mehr haben, als sie brauchen, und denen, die oft mit zu Wenigem auskommen müssen, immer weiter öffnet. In Braunschweig ist erkennbar, dass die „sozialen Brennpunkte“ erhalten bleiben. Gleichzeitig steigt der Druck auf dem Wohnungsmarkt. Davon sind Menschen mit geringem Einkommen besonders betroffen, weil es immer schwieriger wird, preiswerten Wohnraum zu finden, insbesondere dann, wenn sich die Situation der Familie – z.B. durch Trennung oder wachsende Familie – verändert.  Aus diesen Gründen bemühen wir uns weiter, Kinder unseres Stadtteils zu unterstützen und zu fördern. Mit unseren Angeboten und Ihrer finanziellen Förderung versuchen wir, dort anzusetzen, wo der normale Schulunterricht nicht ausreicht, das Klassenziel bzw. das gestellte Unterrichtsziel zu erreichen und wo eine häusliche Förderung nicht oder nicht ausreichend vorhanden ist.  Für all unsere Arbeit ist es eine dauerhafte Erkenntnis: neben Üben und Lernen ist die regelmäßige, persönliche und vertrauensvolle Zuwendung durch die Mitarbeitenden in den Projekten von ganz großer Bedeutung. Viele Kinder und Jugendliche leben nicht nur in materiell prekären Verhältnissen, sondern oft sind wechselnde Familien- und Betreuungskonstellationen eine zusätzliche Belastung.
 
 
 
 3
 
 
Sommerferienaktionen Auch 2018 fanden wieder verschiedene Ferienangebote für Kinder im westlichen Ringgebiet statt. An zweien waren wir als Ev. Kirche direkt beteiligt – die anderen Angebote waren in Absprache der Träger so gestaltet, dass ein sinnvolles Ferienprogramm während der gesamten Sommerferien angeboten werden konnte. Die Zeiten waren aufeinander abgestimmt.  Das inzwischen bei Eltern und Kindern bekannte, offene Ferienangebot auf dem Spielplatz an der Arndstraße, konnte sich auf eine breite Kooperation von Einrichtungen des westlichen Ringgebietes stützen: Jugendzentrum Drachenflug, Mütterzentrum/ MehrGenerationenHaus, Stadtteilbüro plankontor, VfB Rotweiß mit dem Projekt „Lebenschancen durch Sport“, Familienzentrum Schwedenheim, Kulturinstitut der Stadt Braunschweig mit der Abtlg. Literatur und Musik, Spielstube Hebbelstraße, Jugendzentrum Rüningen, Garten ohne Grenzen, Aktion Kunstkoffer, Ev. Kirche im westlichen Ringgebiet sowie eine Reihe von Ehrenamtlichen aus dem Stadtteil waren aktiv beteiligt. Wir haben ausschließlich offene Angebote ohne Anmeldung und ohne Erhebung von Teilnahmegebühren durchgeführt. Alle Einrichtungen beteiligten sich mit hohem Aufwand an Material, Finanzen und Mitarbeit. Ohne die bemerkenswerte Kooperation und ohne zusätzliche Fördermittel ließe sich diese Maßnahme so nicht durchführen.  Ein großer Teil der Kinder, die teilnahmen, hatte keine Möglichkeit, mit der Familie oder einer Gruppe zu verreisen. Durch FiBS-Angebote im Stadtteil war eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung in den Sommerferien möglich. Im Anschluss an das Ferienprogramm auf dem Spielplatz konnten die Kinder bis zum Ende der Ferien andere Ferienangebote im Stadtteil besuchen. Wie gewohnt gab es täglich auf dem Spielplatz: ein kostenfreies und gesundes Verpflegungsangebot, ausreichend Getränke, besonders an heißen Tagen, unterschiedliche kreative und entspannende Aktivitäten, die auch in diesem Jahr intensiv genutzt worden sind. Außerdem wurden wieder sportliche und aktivierende Angebote in Kooperation mit dem VfB RotWeiß, Projekt „Lebenschancen durch Sport“ und von einer unserer Mitarbeiterinnen gemacht.  Besondere Höhepunkte waren die Kletterwand der Jugendförderung Braunschweig zum Eröffnungsfest, eine Basketballaktion, ein Trommelworkshop, Spezialangebote des Projektes Kunstkoffer, eine Wasserrutsche an den heißen Tagen sowie viele kreative, sportliche und spielerische Angebote. Eine Besonderheit unseres Ferienprogramms ist, dass wir auch regelmäßig Eltern - meist Mütter mit jüngeren Geschwistern der Kinder - zu Besuch haben, dass auch ältere Geschwisterkinder kommen und eine nicht unerhebliche Zahl von Erwachsenen aus der direkten Umgebung vorbeischauen und z.T. auch während des ganzen Nachmittags dabei sind. Wir freuen uns über diese Teilnahme und die sich ergebenden Kontaktmöglichkeiten. Alle beteiligten Einrichtungen gehen davon aus, dass die Kooperation bei FiBS auch ein gutes Signal nach außen ist. Mit Zusammenarbeit kann man mehr erreichen und den Bewohnerinnen und Bewohnern zeigen, dass es ein gemeinsames Bemühen für unseren Stadtteil gibt. Außerdem wurde ein FiBS-Programm in der Gartenstadt auf dem Gelände der Kirchengemeinde sowie dem benachbarten Spiel- und Bolzplatz durchgeführt. Diese zweiwöchige Maßnahme fand parallel zum Ferienangebot auf dem Spielplatz Arndtstraße statt und Kinder aus der Gartenstadt konnten dort am Nachmittag dabei sein. Das Angebot in der Gartenstadt gestalteten überwiegend ehrenamtlich Mitarbeitende. Es nahmen dauerhaft ca. 20 Kinder aus dem Stadtteil und dem westlichen Ringgebiet teil. Auch bei dieser Maßnahme waren benachteiligte Kinder besonders im Blick. Etwa die Hälfte der teilnehmenden Kinder kam aus Haushalten mit SGB II Bezug oder vergleichbaren Einkünften. Wie auf dem Spielplatz Arndtstraße stand auch hier im Vordergrund, Kindern die Teilnahme unabhängig vom häuslichen Einkommen zu ermöglichen.
 
Zum festen Tagesablauf gehörten: Die gemeinsame Eröffnungsrunde am Morgen, unterschiedliche kreative und musisch-kulturelle Gruppenangebote, das gemeinsame Mittagessen sowie Sport und Spiel in ganz unterschiedlichen Formen. Besondere Aktionen waren: der Bau einer großen Murmelbahn als Gemeinschaftsaktion, ein Abend am Lagerfeuer, ein Tagesausflug und ein Familiengottesdienst im Rahmen des Abschlussfestes.
 
 
 
 4


 
Finanzen Der finanzielle Gesamtaufwand für die beschriebenen Maßnahmen lag im vergangenen Jahr bei ca. € 23.000,00. Die Aktivitäten mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen werden überwiegend aus Spenden und Mitteln von Stiftungen finanziert. Für die Ferienaktion gab es in geringem Umfang Teilnehmerbeiträge, Fördergelder der Stadt Braunschweig, Förderung durch die Braunschweiger Stiftung Kleiderversorgung sowie Mitteln aus dem Verfügungsfonds für das westliche Ringgebiet. Besonders muss hier eine Großspende des Möbelhauses IKEA in Braunschweig erwähnt werden -  € 5.000,00 wurden uns für die Arbeit im Stadtteil zugewandt.  Anfang des Jahres gab es eine Initiative der Diakonie in Niedersachen, gemeinsam mit dem NDR „Hand in Hand für Norddeutschland“. Aus dieser Spendenaktion haben wir eine Förderung für den Mittagstisch auch in Höhe von € 5.000,00 erhalten. Neben diesen großen Zuwendungen bekommen wir regelmäßige monatliche Spenden für den Mittagstisch sowie immer wieder auch Einzelspenden und Kollekten. Als hauptamtlicher Mitarbeiter der Ev. Landeskirche Braunschweig ist es mir wichtig zu schreiben, dass meine Personalkosten von keiner Stelle bezuschusst werden, sondern ein Beitrag von Landeskirche, Propstei und Kirchengemeinden zur Koordinierung und Begleitung all dieser Projekte darstellt. Außerdem wird ein nicht unerheblicher Teil der Verwaltungsarbeit, die ich/ wir vor Ort nicht in der Lage wären zu leisten, im Ev. Kirchenverband unentgeltlich für uns erledigt. Im Namen der Ev. Kirche im westlichen Ringgebiet, im Namen aller Mitarbeitenden, der Schulen und Einrichtungen sowie im Namen der Kinder, Jugendlichen und ihrer Eltern danke ich für alle Unterstützung, die uns in die Lage versetzt, diese Arbeit im Stadtteil durchzuführen. Ich halte den Einsatz weiterhin für notwendig. Wir wollen Missstände nicht nur benennen, sondern aktiv an Veränderungen mitarbeiten. So verstehen wir unseren kirchlichen und diakonischen Auftrag.  Auf Dauer wünschen wir natürlich nachhaltige Veränderungen dahingehend, dass alle Kinder und Jugendlichen in einem Gemeinwesen aufwachsen können, in dem die ausreichende Versorgung mit Essen in der Schule sowie der Zugang zu erforderlichen Unterstützungs- und Fördermaßnahmen ausreichend zur Verfügung stehen. Diese Grundpfeiler für Bildung, Entwicklung und Sicherung von Zukunftsperspektiven sollten auch im gesellschaftlichen Interesse errichtet werden. Alle Gelder, die in präventive Maßnahmen investiert werden, wirken sich nach vielen vorgelegten Untersuchungen am Ende auch finanziell positiv aus.  Als Mitglied im Beirat des Braunschweiger Fonds für Kinder und Jugendliche, in den ich meine Praxiserfahrungen einbringen kann, nehme ich positive Veränderungen wahr –  Neben Geldern des Fonds für benachteiligte Kinder und Jugendliche gibt es seit 2018 Mittel der Stadt Braunschweig für einen Schulmittelfonds. Das Mittagessensystem ist immer wieder diskutiert worden, damit sichergestellt wird, dass alle Kinder an Ganztagsschulen Essen unabhängig von den Finanzen bekommen. Bundesweit finden Überlegungen zur Veränderung des SGBII/ Hartz IV, statt, ebenso Überlegungen zur Einführung einer Kindergrundsicherung. Das zeigt, durch die fortgesetzte öffentliche Diskussion und das Aufweisen von Mängeln und Fehlentwicklungen hat eine gewisse Sensibilisierung und Veränderungsbereitschaft in der Politik Einzug gehalten.
 
 
Noch ein kurzes Wort in eigener Sache Ich werde Mitte des nächsten Jahres nach mehr als 15 Jahren aus meinem Dienst in der HugoLuther-Straße ausscheiden. Wenn ich – wie auch in diesem Bericht – schreibe, dass unsere Arbeit ohne Ihre Unterstützung und Begleitung nicht möglich wäre, so will ich damit niemandem „Honig ums Maul streichen“, sondern beschreibe, wie es ist. Ohne Spendengelder und Mittel von Stiftungen wäre diese Arbeit nicht finanzierbar. Natürlich brauchen wir auch immer Menschen, die sie öffentlich vertreten und darüber berichten können. Es ist wichtig, dass die Personalkosten, wie es bei mir der Fall gewesen ist, einen sicheren Beitrag und eine dauerhafte Beteiligung von Kirche an dieser Arbeit darstellen. Ich hoffe, dass es eine gute personelle Nachfolgeregelung geben wird, dass begonnene Arbeit fortgesetzt werden kann und dass Möglichkeiten zu Veränderungen und möglicherweise Erweiterungen kirchlich diakonischer Arbeit im westlichen Ringgebiet geschaffen werden können. Deshalb bitte ich alle Unterstützerinnen und Unterstützer um weitere Verbundenheit mit unserer Arbeit für benachteiligte Kinder und Jugendliche … und hoffe darauf, dass Sie am Ende des kommenden Jahres darüber in einem Bericht für das Jahr 2019 Genaueres nachlesen können.
 
Braunschweig, im Dezember 2018        Ulli Böß